Welcher Stromzähler ist der Richtige für meine Ladestation?

37 Technik Daheim

Ob man die Stromkosten im Blick behalten möchte oder via Heimautomatisierung die Ladevorgänge steuert: Gründe für ein separates Messgerät nur für die Ladestation gibt es viele. Genauso vielfältig ist das Angebot an Messgeräten: Wechsel- oder Drehstromzähler, Kommunikationsfähigkeit z.B. via Modbus, Einbau auf der Hutschiene oder als separater Zähler des Energieversorgers. Und natürlich gibt es auch Wallboxen, die bereits einen Zähler eingebaut haben.

Alle Zählervarianten im Überblick

Über die Jahre habe ich fast jede denkbare Kombination an Messgeräten und Ladestationen im Einsatz gehabt. Mittlerweile habe ich einen klaren Favoriten, aber je nach Anwendungszweck kann es gute Gründe für die eine oder andere Lösung geben.

Einfache Kostenkontrolle

Im einfachsten Fall geht es nur darum, den Überblick über die Kosten für den Ladestrom zu behalten. Der Zähler wird vielleicht einmal im Monat manuell abgelesen und die Zählerstände auf einem Zettel oder vielleicht auch in einem Excel-Dokument verwaltet.

Ein einfacher Hutschienenzähler

Hierfür reicht ein einfacher Hutschienenzähler locker aus. Der Zähler wird in die Zuleitung zur Wallbox integriert, beispielsweise direkt neben dem Leitungsschutzschalter, der die Wallbox absichert. Über ein LC-Display kann man dann einfach den Zählerstand ablesen. Weitere Kommunikationsmöglichkeiten hat solch ein Zähler nicht, dafür ist er aber auch der billigste Zähler in dieser Liste. Ebenso zeigt er je nach Modell wirklich nur einen Zählerstand in kWh an, d.h. man kann die Momentanleistung in Watt nicht abrufen. Von anderen Parametern wie z.B. dem Power Factor ganz zu schweigen.

Wer also auf der Suche nach der billigsten Möglichkeit ist, den Stromverbrauch an seiner eigenen Wallbox in der Tiefgarage zu messen, der ist mit so einem Zähler gut bedient. Soll der Ladestrom separat abgerechnet werden braucht man einen MID-Zähler, der geeicht ist — siehe auch weiter unten.

Mehr Daten

Wer daheim auf eine Heimautomatisierungslösung setzt und vielleicht seine Wallbox anhand der aktuellen Photovoltaik-Erzeugung steuern möchte, der braucht einen Zähler mit einer Kommunikationsverbindung. Populär sind Zähler mit Modbus RTU oder Modbus TCP. Die Einbindung in Heimautomatisierungssysteme ist aufgrund des standardisierten Modbus-Protokolls auch recht einfach möglich. Es gibt auch Modelle mit anderen Kommunikationsprotokollen wie z.B. MBUS. Im Vergleich zu Modbus sind diese Kommunikationsprotokolle aber nicht so einfach zu integrieren, sodass ich eher zu einem Modbus-Modell raten würde.

Siemens PAC2200, mein Lieblingszähler

Zähler dieser Kategorie werden üblicherweise in der Industrie für die unterschiedlichsten Zwecke eingesetzt und sind ebenfalls für die Montage auf der Hutschiene vorgesehen. Sie bieten viele unterschiedliche Messwerte an: Ströme und Spannungen der einzelnen Außenleiter, Energien aufgeteilt in Bezug und Einspeisung, Power Factor, Total Harmonic Distorsion, und noch vieles mehr. Die Datenqualität ist zumeist ziemlich gut. Je nach Kommunikationsschnittstelle benötigt man fürs Auslesen der Messwerte ein RS485-Kabel mit entsprechendem Adapter oder direkt ein Ethernet-Kabel.

Mein klarer Favorit in dieser Kategorie ist der Siemens PAC2200 (Typ 7KM2200-2EA40-1JA1). Der Zähler beherrscht Modbus/TCP, ist schnell und ziemlich genau. Er hat auch eine recht schicke Weboberfläche, und man kann die Messdaten sogar via JSON aus der Weboberfläche extrahieren:

Siemens PAC2200 Weboberfläche

Einziger Nachteil des PAC2200: Er ist recht groß, man braucht sieben Teilungseinheiten auf der Hutschiene. Daher gibt es Fälle, in denen einfach nicht genug Platz für diesen Zähler vorhanden ist.

Elektronischer Haushaltszähler (eHZ)

Wenn man vom §14a EnWG Gebrauch machen will, um sein Elektroauto mit verbilligtem Strom zu laden, braucht man einen Zähler vom Netzbetreiber. Das wird meistens ein “elektronischer Haushaltszähler” (eHZ) sein. Das ist ein Zähler, der auf eine Kontaktplatte geschoben und dann dort verplombt wird. Üblicherweise ist dieser Zähler Eigentum des Netzbetreibers und man bezahlt eine monatliche Gebühr. Über eine Infrarotschnittstelle auf der Vorderseite kann man über einen Auslesekopf die Messdaten auch selbst auslesen.

Ein eHZ von Hager

Ich habe ein etwas zwiegespaltenes Verhältnis zu diesen Zählern. Gut ist, das es standardisierte Kontaktplatten gibt, in die der Zähler einfach eingeschoben wird. Über die Kontakte auf der Rückseite wird dann der Stromverbrauch und allerlei andere Parameter gemessen. Schlecht finde ich jedoch, das man über die vordere “Kundenschnittstelle” nicht alle Parameter bekommt, sondern nur das, was der Netzbetreiber freigegeben hat bzw. der Zählerhersteller vorsieht.

Darüber hinaus braucht man noch einen Auslesekopf und eine Software, die das SML-Protokoll mit dem Zähler spricht. Viele Informationen dazu finden sich im volkszaehler.org-Wiki. In der Praxis lohnt sich der Einsatz eines Auslesekopfs nur, wenn man sowieso schon einen eHZ vorfindet. Auf Dauer gerechnet ist ein Industriezähler wie der PAC2200 billiger und robuster.

Geeicht oder nicht?

Sobald man die Zählerstände zum Abrechnen benötigt muss der Zähler geeicht sein. Geeichte Zähler sind eigentlich identisch zu ungeeichten Zählern — der Hersteller hat nur noch einmal durch Messungen kontrolliert, dass der Zähler auch wirklich korrekt misst. Was “korrekt” bedeutet ist in der EU-Richtlinie 2014/32/EU festgelegt. Diese Messgeräterichtlinie (engl. Measuring Instruments Directive, abgekürzt MID) beschreibt z.B. den maximalen Messfehler und auch, wie lange ein Gerät geeicht ist. Bei allen elektronischen Stromzählern beträgt die Eichdauer acht Jahre, d.h. man muss das Messgerät nach acht Jahren austauschen. Daher finde ich es auch nicht empfehlenswert, eine Wallbox mit einem eingebauten, MID-geeichten Zähler zu kaufen.

Das Jahr der Eichung kann man übrigens an einem Kasten mit einem “M”, gefolgt von der Jahreszahl, erkennen. Die Eichdauer dieses Zählers endete also 2018:

Andere Messsysteme

Es gibt natürlich noch andere Messsysteme, wie z.B. die Wandlermessung des Shelly 3EM. Diese sind zwar oft ungenauer als die oben beschriebenen Systeme, kommunizieren dafür aber direkt via WLAN. Das kann je nach Situation natürlich auch seine Vorteile haben. In Sachen Haltbarkeit vertraue ich aber eher auf die oben beschriebenen Industriezähler.

Kosten & Einbau

Genau wie auch für alle anderen Arbeiten an Elektroinstallationen gilt: Den Einbau darf nur eine Elektrofachkraft vornehmen. Die Kosten für die Installation orientieren sich nach den Gegebenheiten vor Ort. Vergleichen Sie also unterschiedliche Angebote von Elektrofirmen. Der reine Materialpreis des Zählers ist üblicherweise nicht der größte Posten bei der Installation. In meinen Augen lohnt es sich nicht, den billigsten Zähler einzubauen — der ist dann vielleicht nach drei Jahren kaputt und Sie müssen wieder eine Elektrofachkraft bezahlen. Daher tendiere ich dazu, einen qualitativ hochwertigen Zähler zu verbauen.

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