Wallbox: Fest installiert oder mobil?

30 Technik Sicherheit Daheim Ladekabel

Mobile Wallboxen sind beliebt: Sie versprechen, das man daheim und auch unterwegs nie ohne Lademöglichkeit ist. Und wer eine CEE-Steckdose in der Garage hat, braucht auch keinen Elektriker für die Installation. Oder?

go-e Wallbox an CEE-Steckdose

Um es vorweg zu nehmen: Ich halte nicht viel von mobilen Wallboxen. Das obige Versprechen ist sehr charmant und ich kann verstehen, warum viele Elektromobilisten mobile Wallboxen empfehlen. Aber:

  1. Mobile Wallboxen sind nicht preiswerter als fest installierte Wallboxen.
  2. Als Laie kann man nicht beurteilen, ob man eine mobile Wallbox sicher an z. B. einer CEE-Steckdose betreiben kann.

Aber von Anfang an: Was ist eigentlich eine mobile Wallbox? Naiv könnte man nun sagen, das eine mobile Wallbox einfach eine Wallbox zum Mitnehmen ist — und das ist vordergründig auch richtig. Unter der Haube ist es aber ein ganz anderes Gerät mit ganz anderen Anforderungen, vor allem in Sachen elektrische Sicherheit.

Festinstallierte Wallboxen

Einfach dargestellt bildet eine Wallbox die Schnittstelle zwischen der existierenden Elektroinstallation und dem Fahrzeug:

Laden über eine fest installierte Wallbox

Eine Wallbox folgt dabei der Norm IEC 61851. In Sachen Sicherheit heißt das: Die Wallbox steuert und überwacht den Ladevorgang. Dabei wird ständig überwacht, ob das Auto auch über die Wallbox geerdet ist. Das ist sehr wichtig, denn ohne eine Verbindung zur Schutzerde kann ein Fehlerstromschutzschalter bei einem Problem nicht auslösen.

Im Endeffekt verlässt man sich also auf eine geeignete Elektroinstallation und bewährte Fehlerstromschutzschalter (FI), die durch einen Fachmann in die Elektroinstallation integriert wurden. Auch die Belastbarkeit der Stromkreise wird beim Einbau von einem Elektriker beurteilt und gegebenenfalls erneuert. Damit ist das Laden über eine feste Wallbox sehr sicher.

Mobile Wallboxen

Aus der Perspektive eines Autos verhält sich eine Wallbox immer gleich, egal ob fest installiert oder mobil. Das hat den Vorteil, das ein Auto gar nicht wissen muss, ob es an einer festen oder mobilen Wallbox hängt. Auf der anderen Seite, also in Richtung Stromnetz, wird es für eine mobile Wallbox allerdings sehr komplex.

Laden über eine mobile Wallbox

Die mobile Wallbox wird üblicherweise über eine CEE-Steckdose mit dem Stromnetz verbunden. Und genau da liegt die Schwierigkeit: Es ist unklar, welche Sicherungseinrichtungen hinter der CEE-Steckdose verbaut sind. Das ist einer der Gründe, warum eine mobile Wallbox in einer anderen Norm (IEC 62752) beschrieben ist. Dort heißt es in der Einleitung:

For mode 2 charging including the situation where it cannot be guaranteed that the installation is equipped with RCDs, for example charging the electric vehicle at an unknown installation, a dedicated protection is used for the connected electric vehicle. The intention of this standard is to describe the relevant requirements for an in-cable control and protection device (IC-CPD) to be used for mode 2 charging.

IEC 62752, Introduction

Die mobile Wallbox (hier “IC-CPD” genannt) ist also ein Gerät, was sicherstellen muss, das auch bei einer Steckdose ohne Fehlerstromschutzschalter (FI) ein sicheres Laden möglich ist. In vielen Bestandsgebäuden in Deutschland sind gerade an CEE-Steckdosen keine FIs verbaut. Gleichzeitig gibt es noch weitere Anforderungen in der Norm, unter anderen:

  1. Eine mobile Wallbox muss ein Überfahren aushalten, da sie gegebenenfalls auf dem Boden liegt.
  2. Genauso könnte die Wallbox auch im Regen in einer Pfütze liegen, d. h. das Gehäuse muss wasserdicht sein.

Unterm Strich muss eine mobile Wallbox also wesentlich höhere Anforderungen erfüllen als eine fest installierte Wallbox. Neben dem Gehäuse muss sie auch die entsprechenden Schaltelemente für den Fehlerschutz haben. Ein einfaches Relais reicht dafür nicht, denn bei einem größeren Fehlerstrom würde ein Relais nicht zuverlässig die Stromzufuhr unterbrechen.

Das macht es einerseits ziemlich kompliziert, eine mobile Wallbox zu bauen, die diesen Anforderungen genügt. Und andererseits sind diese Geräte, welche diese Anforderungen erfüllen, auch relativ teuer. Leider sind viele billige Geräte auf dem Markt, welche die Anforderungen eben nicht erfüllen. Für einen Laien ist es nicht möglich, zu beurteilen, ob eine mobile Wallbox nun sicher ist oder nicht. Noch schlimmer: Viele billige mobile Wallboxen erfüllen nur die einfachere Norm IEC 61851-1 für festinstallierte Wallboxen, sind also für den Einsatzzweck ungeeignet.

TODO: Artikel Chinaladegeräte

Ist eine mobile Wallbox wirklich billiger?

Das häufigste Argument ist: Ich hab schon eine CEE-Steckdose in der Garage. Deshalb spare ich mir die Kosten für den Elektriker, wenn ich eine mobile Wallbox einfach selbst anschließe. Diese Rechnung glaube ich allerdings nicht. Wenn man eine preiswerte, feste Lademöglichkeit installieren will kostet eine Marken-Wallbox beispielsweise wie folgt:

Was?Wie viel?
Wallbox “Heidelberg Home Eco” 11kW450 Euro
Anschluss und Prüfung durch Elektriker150 Euro
SUMME600 Euro

Bei den Kosten für den Elektriker gehe ich davon aus, dass eine entsprechende Stromversorgung schon in der Garage liegt und ausreichend abgesichert ist — genau so, wie man es auch für eine CEE-Steckdose benötigt. Der Elektriker zweigt also den Strom vor dem Anschluss der CEE-Steckdose ab. Falls die Stromversorgung in der Garage generell nicht ausreicht fallen natürlich weitere Kosten an. Das wäre aber auch der Fall, wenn man nur eine CEE-Steckdose installieren lässt.

Die beliebte, und auch recht preiswerte mobile Wallbox “go-e” würde folgende Kosten verursachen:

Was?Wie viel?
go-e 11kW bei Reichelt679 Euro
Installation durch Elektriker prüfen100 Euro
SUMME779 Euro

Selbst wenn man die Prüfung durch einen Elektriker auslässt: Die Variante mit dem vergleichsweise billigen go-e Ladegerät ist teurer als eine fest installierte Wallbox inklusive der Installation durch einen Elektriker. Weiterhin braucht man beim go-e noch ein Typ 2-Kabel zum Anschluss ans Auto, welches man aber sowieso bereits besitzen sollte.

Wohlgemerkt: Ich halte technisch nicht viel vom go-e Ladegerät. Wenn man in Sachen Sicherheit ein ähnliches Niveau wie bei einer fest installierten Wallbox erreichen möchte, sollte man zum Juice Booster greifen. Der ist allerdings mit gut 1000 Euro nochmals deutlich teurer.

Fazit

Obwohl ich diverse mobile Wallboxen nutzen könnte: Ich sehe keinen Sinn darin, sie unterwegs mitzuschleppen. Eine feste Wallbox für daheim ist sicherer und billiger, und unterwegs finden sich mittlerweile genügend Ladestationen. Ich bin nun gut 50.000 km elektrisch unterwegs, und zwar nicht nur im Umkreis meiner eigenen Garage, sondern auch auf Langstrecke. Dort reicht mir entweder das öffentliche Ladenetz oder aber über Nacht auch mal das Notladekabel.

Natürlich kann es gute Gründe geben, warum eine mobile Wallbox die bessere Lösung ist. Aber: Trotzdem sollte man seine Elektroinstallation vor dem Anschluss noch einmal prüfen lassen. Günstiger ist diese Lösung jedenfalls in keinem Fall.