Welche Wallbox soll ich kaufen?

19 Technik Daheim
Laden via Typ 2-Stecker

Puh. Das ist ne sehr einfache Frage, auf die ich aber leider keine einfache Antwort geben kann. Es kommt einfach auf viele verschiedene Dinge an, welche Wallbox die Beste für Ihren Anwendungsfall ist. Glauben Sie mir: Wenn ich eine einfache Antwort hätte, würde ich Ihnen diese sehr gerne geben. Aber es ist gar nicht so schwer, für Ihren speziellen Fall die richtigen Fragen zu stellen und so den groben Rahmen abzustecken. Es gibt dafür vier große Fragestellungen:

  1. Welche Ladeleistung brauchen Sie, um im Alltag genügend Reichweite nachzuladen?
  2. Welche Ladeleistung ist mit Ihrer Elektroinstallation realisierbar?
  3. Wo möchten Sie laden? In der eigenen Garage oder am Stellplatz?
  4. Möchten Sie Ihren eigenen Photovoltaik-Strom laden?

Sie können sich sicher schon denken, das diese Fragen sich überlappen und nur zusammen beantwortet werden können. Nehmen Sie sich etwas Zeit und vielleicht einen Notizzettel, dann können wir den sinnvollen Rahmen für die Wallbox-Wahl schnell festlegen.

Legen wir los!

1. Wo möchten Sie laden?

Wenn Sie in Ihrer eigenen Garage oder Carport laden möchten haben Sie schon einmal ein Problem umgangen: Keine Eigentümergemeinschaft kann Ihnen Vorgaben machen. Sie können also einfach diejenige Lösung umsetzen, die Ihnen zweckmäßig erscheint. Ergänzend kommt hier vielleicht noch hinzu, ob Sie Strom von Ihrer Photovoltaikanlage ins Auto laden möchten.

Wenn Sie jedoch in einer Eigentümergemeinschaft wohnen ist die Frage erheblich komplexer. Ich gehe einmal davon aus, das Sie einen festen Parkplatz haben. Um dort eine Wallbox zu installieren sind Änderungen am Gemeinschaftseigentum nötig — und sei es nur, das ein Kabel in der Tiefgarage verlegt werden muss. Sie brauchen momentan also die Zustimmung der Miteigentümer. Da es momentan keine sinnvolle gesetzliche Regelung gibt: Das kann ein komplexer Prozess sein, der gegebenenfalls auch scheitern kann.

TODO: Separate Frage zum Vorgehen.

Mieten Sie? Dann gilt das Gleiche wie für Miteigentümer zuvor, nur das sie nun noch einen Vermieter haben, der in Ihrem Namen die Überzeugungsarbeit bei der Eigentümergemeinschaft leisten muss.

2. Die richtige Ladeleistung

Der nächste wichtige Faktor ist die Ladeleistung — wieviel brauchen Sie wirklich? Müssen es daheim wirklich 22kW sein? Oder kommen Sie vielleicht mit viel weniger Ladeleistung aus? Zur notwendigen Ladeleistung habe ich in Frage 5 schon einiges geschrieben. Lesen Sie diese jetzt und kommen danach hierher zurück.

Wahrscheinlich stellt sich für Sie nach der Lektüre nur die Frage, ob es nun 3,6kW oder 11kW sein sollen. Das hängt natürlich auch davon ab, was Ihr Elektroauto nutzen kann. Ganz entscheidend ist allerdings, was in ihrem speziellen Fall elektrotechnisch realisierbar ist: Mit 3,6kW dürften sie keine Probleme bekommen, bei 11kW kommt es darauf an. In Mehrparteienhäusern ist die Situation sowieso noch einmal eine ganz andere: Es kann sein, das dort lediglich eine Ladelösung mit Lastmanagement in Frage kommt. Eine 3,6kW-Wallbox lässt sich aber auch in diesem Fall meist problemlos realisieren.

Prüfen wir also als nächstes die Gegebenheiten vor Ort.

3. Die Elektroinstallation

Der nächste entscheidende Faktor ist Ihre Elektroinstallation. Hier sind Sie auf den Rat eines Elektrikers angewiesen, denn: Ein ladendes Auto stellt eine ziemlich große Dauerlast dar. Die normale Elektroinstallation geht allerdings davon aus, das nie alle Geräte in einem Haus auf einmal betrieben werden. Unterm Strich muss ein Elektriker also zunächst die bestehende Elektroinstallation anschauen und bewerten. Erst dann ist klar, welche Optionen realisierbar sind.

Falls Sie eine alte Drehstromsteckdose in der Garage haben: Lassen Sie auch diese bitte vor dem Laden prüfen. Denn: Die Belastung für die Elektroinstallation vor der Drehstromsteckdose ist groß, und die Vorschriften haben sich über die Jahre geändert.

Wenn Sie sich für das Gespräch mit dem Elektriker vorbereiten möchten empfehle ich Ihnen die folgenden Fragen:

Und nicht zuletzt ist es auch gar nicht so einfach, einen guten Elektriker zu finden.

In Mehrparteienhäusern ist die Lage leider wieder besonders kompliziert. Einerseits sind Sie oft auf den Elektriker des Verwalters angewiesen, da der Verwalter Arbeiten nur durch diesen erledigen lässt. Andererseits ist die Anschlußleistung in Mehrparteienhäusern — gemessen an der Anzahl der Parteien im Haus — relativ gering bemessen. Hier kann ich Ihnen keine generellen Empfehlungen geben, außer: Versuchen Sie, mit dem Elektriker einen sinnvollen Kompromiss zu finden.

TODO: Lastmanagement in Mehrparteienhäusern

4. Laden von Photovoltaik-Strom

Wer eine Photovoltaikanlage hat möchte — aus ökonomischem oder ökologischem Interesse — den selbst produzierten Strom im Auto nutzen. Falls Ihr Auto tagsüber daheim ist und nicht z.B. beim Arbeitgeber parkt spricht dagegen auch nichts.

Es gibt mittlererweile diverse Systeme für solargestütztes Laden. Diese basieren alle auf folgendem Prinzip: Der Überschuss der Photovoltaikanlage wird am Netzanschluss gemessen. Falls der Überschuss ausreicht bekommt die Wallbox ein entsprechendes Signal und beginnt, das Auto zu laden. Dabei wird die Ladeleistung so angepasst, das am Hausanschluss möglichst wenig Strom fließt. Fällt die Photovoltaik-Produktion z.B. durch eine Wolke ab, so reduziert das System auch die Ladeleistung des Autos.

Damit das alles reibungslos funktioniert müssen Ladestation, der Zähler am Hausanschluß und eine Steuerung miteinander reden können. Am Einfachsten ist es natürlich, wenn Sie z.B. vom Hersteller Ihres PV-Wechselrichters eine entsprechende Wallbox kaufen. Alternativ gibt es natürlich auch andere Lösungen, die unterschiedlichste Systeme zu einem Smart Home verknüpfen. Welche Herangehensweise am Besten ist, hängt von Ihren persönlichen Vorlieben ab. Zusätzlich muss aber Ihr Auto auch mitspielen. Es gibt z.B. Fahrzeuge, die es nicht erlauben, einen Ladevorgang kurz zu unterbrechen. Ein VW eGolf erster Generation bricht die Ladung z.B. ab, wenn diese unterbrochen wird. Informieren Sie sich also auch zu Ihrem Fahrzeug.

Vom eigenen Dach ins Auto laden klingt verlockend, und ist auch die preiswerteste Möglichkeit, das Elektroauto nachzuladen. Eine 2020 gebaute, private Photovoltaikanlage erzeugt den Strom schon für 10 ct/kWh — das ist im Vergleich zu allen anderen Lösungen unschlagbar günstig. Allerdings gibt es viel zu beachten — weshalb Sie weitere Informationen bei Frage 26 finden.

Welche Wallbox kauf ich nun?

Wie zu Beginn versprochen: Sie sollten nun eine bessere Vorstellung davon haben, welche Ladelösung am Besten für Ihre Zwecke geeignet ist. Darauf aufbauend können Sie dann auch zielgerichtet eine passende Wallbox finden. Es gibt natürlich noch weitere Fragen wie z.B.

  1. Ist die Wallbox abschließbar?
  2. Gefällt mir das Design?
  3. Was kostet die Ladestation? (Tip: Hier kommt es auch darauf an, ob ein separater Fehlerstromschutzschalter mit DC-Schutz notwendig ist…)

Diese Fragen können aber nur Sie selbst beantworten. Der Markt für Wallboxen entwickelt sich momentan sehr schnell, es gibt Produkte für jeden Anwendungsfall. Diese zu finden ist nicht einfach. Es gibt aber mittlererweile diverse Vergleiche zwischen Wallboxen. Empfehlenswert finde ich die folgenden Webseiten:

  1. EAutoLader: Übersicht der Ladestationen für Elektroautos
  2. ADAC: Wallboxen im Test
  3. Marktübersicht Wallboxen des Kompetenzzentrum ElektroMobilität NRW

Ihr Elektriker wird Sie auch beraten können.

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