#17: Kann ich meine alte Drehstromsteckdose bedenkenlos zum Laden benutzen?

Technik Sicherheit

Die schnelle Antwort: Theoretisch ja, praktisch sollte sich das vorher ein Elektriker anschauen. Früher wurden CEE-, Drehstrom- oder Kraftstrom-Steckdosen oft in Garagen eingebaut. Damals allerdings mit der Absicht, kurzfristig mal ein Gerät mit größerem Leistungsbedarf anzuschließen — zum Beispiel ein Schweißtrafo oder ein Holzspalter. Eine Ladestation ist aber eine Dauerlast. Das macht einen großen Unterschied.

Außerdem wurden die CEE-Steckdosen früher nicht mit einem Fehlerstromschutzschalter (“FI”) abgesichert. Das ist mittlererweile jedoch vorgeschrieben. Und auch sinnvoll, gerade zum Laden eines Autos.

Es gibt also zwei mögliche Probleme bei alten CEE-Steckdosen:

  1. Die Belastbarkeit im Dauerbetrieb und
  2. ein fehlender Fehlerstromschutzschalter.

Im Folgenden ein paar Worte zu beiden Punkten.

Zur Dauerbelastbarkeit von Drehstromsteckdosen

Die Steckdose selbst dürfte in den wenigsten Fällen das Problem sein, denn alle CEE-Steckverbinder sind für Dauerbelastung ausgelegt. Allerdings kann die Elektroinstallation dahinter nicht für die Dauerlast ausgelegt sein. Leider kann man das als Laie nicht sicher beurteilen. Ein kleines Experiment:

Wärmebildaufnahme eines Heizlüfters

Das ist ein 3kW-Heizlüfter, den ich gelegentlich zum Aufwärmen meiner Garage verwende. Die 3kW sind natürlich im Vergleich zu den 11kW oder 22kW eines Drehstromanschlusses ziemlich niedrig, aber man sieht schon, das Strom auch immer Abwärme bedeutet:

Anschluß über CEE blau

Den Heizlüfter stecke ich in eine blaue CEE-Dose, meist auch Campingstecker genannt. Deutlich sieht man, das die Leitung weitaus wärmer ist als die Umgebung. Das Bild entstand etwa drei Stunden nach dem Einschalten des Heizlüfters. Trotz der relativ geringen Leistung erwärmen sich die Leitungen deutlich:

Die Leitungen, die Leistung transportieren, haben sich erwärmt

Im Vergleich zu den umliegenden Leitungen haben sich die des Heizlüfters deutlich erwärmt. Diese Installation ist neu und mit einem Querschnitt von 2,5mm^2 recht großzügig ausgelegt. Die Leitungen sind an der Oberfläche gut 20 Grad wärmer als die Umgebungstemperatur, was in Ordnung ist. Bei einer alten, seit Jahren unbenutzten CEE-Steckdose kennt man allerdings den Zustand der Elektroinstallation nicht.

Fehlerstromschutzschalter

Die müssen mittlererweile an jeder Steckdose installiert sein. Warum das so ist habe ich hier schon einmal beschrieben. Auch hier hilft ein Elektriker, den FI zu prüfen und gegebenenfalls zu erneuern.

Fazit

Auch wenn es verlockend ist und im ersten Moment funktioniert: Sicher fährt man nur, wenn man einen Elektriker mal drüberschauen lässt. Die eigene Sicherheit sollte einem das wert sein. Zumal durch die Erwärmung ungeeigneter Leitungen auch Brände entstehen können. Die Hersteller mobiler Ladegeräte sehen das übrigens genauso und haben entsprechende Hinweise in den Handbüchern aufgenommen. Renault meint zum Beispiel:

Zum regulären Aufladen: Verwendung des Ladekabels B

Lassen Sie die Steckdose für Elektrofahrzeuge (Aufladen mit 14/16 A) unbedingt von einem qualifizierten Fachmann installieren. Lesen Sie die mit diesem Produkt gelieferte Bedienungsanleitung aufmerksam durch.

Zum gelegentlichen Aufladen (Ladekabel B)

Mit Haussteckdose (Aufladen mit 10 A): Lassen Sie alle Steckdosen, an die Sie das Ladekabel anschließen werden, von einem Fachmann kontrollieren, um zu überprüfen, ob diese den länderspezifischen Standards und Regelungen entsprechen.

Handbuch Renault Notladekabel

Spätestens wenn man an die Folgen eines Brandes mit den entsprechenden Rückfragen einer Versicherung denkt sollte man ein paar Euro in die Überprüfung durch einen Elektriker investieren.