#11: Welchen Fehlerstromschutzschalter (FI) brauche ich?

Technik Daheim Sicherheit

Fehlerschutz ist Personenschutz — und da darf man auch keine Kompromisse machen. Ein Fehlerstromschutzschalter (kurz FI) unterbricht den Stromkreis, sobald Strom “irgendwohin verschwindet”. Er schaut einfach, ob genauso viel Strom, wie in Richtung der Verbraucher fließt, auch wieder zurück kommt. Falls das nicht so ist liegt irgendwo ein Fehler vor und er schaltet sehr schnell ab.

Zweipoliger FI Typ A-EV von Doepke

Was macht ein FI?

Das ist besonders beim Laden von Autos wichtig. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, das durch einen Fehler im Ladegerät im Auto die Karosserie auf einmal unter Strom steht (dagegen gibt es diverse Vorkehrungen, aber ausschließen kann man das nicht). Das würde zunächst gar nicht bemerken, denn das Auto steht auf sehr gut isolierenden Gummireifen. Erst wenn Sie es anfassen hat der Strom eine Chance, einen anderen Weg zu gehen: Nämlich über Sie! Hätten Sie keinen FI verbaut, würden Sie also einen Stromkreis durch ihren Körper leiten — keine schöne Vorstellung.

Aber nehmen wir einmal an, Sie haben einen passenden FI verbaut. Dieser überwacht ja, ob irgendwo Strom verschwindet. In dem Moment, in dem Strom über Ihren Körper in den Boden fließt, kommt dieser Teil nicht mehr beim FI an. Er löst also aus, und das in maximal 200ms (im Normalfall eher bei 20-30ms).

Das war nun vereinfacht dargestellt. In der Realität wird die Karosserie Ihres Autos über die Ladestation geerdet, und die Ladestation überwacht diese Erdung kontinuierlich. Sie müssen den Strom als nicht durch ihren Körper leiten — das Ladekabel hat dafür den PE-Leiter vorgesehen.

Welchen FI brauch ich denn nun?

Die in vielen Internetforen geführten Diskussionen, welchen FI man den wirklich braucht und ob nicht auch ein “billiger” Typ A reicht verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Es geht um Ihre Sicherheit! Die Norm DIN VDE 0100-722:2019-06 macht ganz klare Vorgaben, welcher FI wann eingesetzt werden darf. Halten Sie sich daran! Richtig geplant muss das gar nicht viel mehr kosten, und Sie sind als Betreiber auch in Sachen Versicherungsschutz auf der sicheren Seite. Grundsätzlich sind die folgenden Aspekte zu beachten:

  1. Für jeden Ladepunkt (also z.B. jeden Typ 2-Stecker) muss ein separater FI vorgesehen werden. Auf diese Weise wird verhindert, das ein Fehler bei einem Auto den Ladevorgang bei einem Auto auf dem Nachbarparkplatz abbricht. Ebenso darf ein FI, der den Haushalt überwacht, nicht für den Anschluss einer Ladestation mitbenutzt werden.
  2. Der FI muss sinnvoll mit Gleichstrom (DC)-Fehlerströmen umgehen können. Das leisten zwei Arten von FIs: Der Typ B (DC-Fehlerströme ab 30mA) und der Typ A-EV (DC-Fehlerströme ab 6mA).
  3. Ersatzweise kann die Ladestation auch eine eigene DC-Fehlerstromerkennung haben. Dann muss trotzdem ein separater FI Typ A installiert werden. Der Hersteller muss aber explizit angeben, das er “DC-Fehlerströme ab 6mA” erkennen kann.

Die zulässigen Varianten sind nochmal in folgender Abbildung dargestellt:

Zulässige Kombinationen von FI und Wallbox

In Ihrem Stromverteiler muss also auf jeden Fall ein FI eingebaut werden, falls die Ladestation selbst keinen echten FI integriert hat. Dies ist z.B. bei den Modellen von Mennekes der Fall.

Und welche Variante soll ich nun umsetzen?

Tja, da wirds nun spannend. Es gibt zwei Aspekte zu bedenken:

  1. Der Preis. Bei gleicher Ausstattung (Anzahl Phasen, Belastbarkeit) kostet ein FI Typ B etwa 450-500 Euro, ein Typ A-EV etwa 250 Euro und ein normaler FI Typ A nur 30 Euro. Das kommt einfach daher das der Typ A der Standard-FI ist und überall eingebaut wird. Wenn man also die Wahl hat: Mit einer eingebauten DC-Fehlerstromerkennung kann man in Sachen FI nochmal kräftig sparen. Allerdings lässt sich diese Variante nicht überall umsetzen — Ihr Elektriker erklärt Ihnen sicherlich gerne, warum.
  2. Die Sicherheit. FIs sind Spezialgeräte, die ein sehr hohes Sicherheitsniveau bieten. Alle hier beschriebenen Varianten kann man bedenkenlos einsetzen. Allerdings schwankt die Qualität der DC-Fehlerstromerkennung von Hersteller zu Hersteller. Bei einer guten Ladestation eines namhaften Herstellers würde ich mir keine Gedanken machen. Bei einem Gerät unklarer Herkunft kann es allerdings sein, das die DC-Fehlerstromerkennung nicht funktioniert.

Eine nicht funktionierende DC-Fehlerstromerkennung kann auch dazu führen, das ein FI Typ A “erblindet”, d.h. er kann gar keine Fehler mehr sehen. Daher: Verzichten Sie besser auf das Ebay-Schnäppchen. Ihre Sicherheit sollte es Ihnen wert sein.